Trigger Bibliothek

Dein Inneres ist eine riesige Bibliothek. Jedes Buch darin ist eine gespeicherte Emotion aus deiner Vergangenheit, vor allem aus deiner Kindheit. Auf den Buchrücken stehen Titel wie "Ich bin wertlos", "Ich werde verlassen" oder "Ich muss perfekt sein". Dieses Archiv ist dein emotionales Fundament. Ein Trigger ist nichts weiter als ein Besucher, der durch die Gänge dieser Bibliothek geht und unbewusst ein Buch aus dem Regal zieht. Das aufgeschlagene Buch, dessen alte Geschichte nun im Licht deiner Gegenwart gelesen wird – das ist dein Gefühl. Ein Gefühl ist immer eine Emotion aus der Vergangenheit, die im Jetzt aktiviert wird. Die Wut, die Ohnmacht, die Scham, die dich überrollen, sind nicht neu. Es sind die Echos alter Geschichten. Das Problem ist nicht, dass du diese Bücher besitzt. Das Problem ist, dass du in dem Moment, in dem ein Buch aufgeschlagen wird, vergisst, dass du der Bibliothekar bist. Stattdessen wirst du zur Hauptfigur der alten, schmerzhaften Geschichte und fühlst dich ihr hilflos ausgeliefert. Dein Ziel ist es, die Herrschaft zurückzugewinnen. Du bist der Bibliothekar, nicht die Marionette deiner Bücher.

 

Die Praxis: In 3 Schritten die Kontrolle übernehmen

Wenn der nächste Trigger ein Gefühlsdrama auslöst, tu Folgendes:

  1. Stopp & Benenne: Reagiere nicht. Atme. Geh einen Schritt zurück und werde zum Beobachter. Sage innerlich ganz klar: "Aha. Der Besucher 'Kritik' hat gerade das Buch 'Ich bin nicht gut genug' aufgeschlagen." Durch das Benennen schaffst du die entscheidende Distanz. Du hast ein Gefühl, du bist es nicht.
  2. Entmachte den Auslöser: Erkenne die Wahrheit: Der Trigger ist nur der Schlüssel, nicht die Ursache. Dein Gegenüber hat die Geschichte nicht geschrieben, er hat sie nur aktiviert. Die Energie, der Schmerz, ist bereits in deinem System. Damit beendest du die Schuldzuweisung im Außen und holst die Kraft zu dir zurück.
  3. Schließe das Buch bewusst: Würdige die alte Emotion, ohne dich in ihr zu verlieren. Sage innerlich: "Ich sehe dich, alte Angst. Du gehörst zu meiner Vergangenheit." Stell dir nun bildlich vor, wie du das Buch sanft, aber bestimmt zuklappst und es zurück ins Regal stellst. Du entscheidest, dass diese Geschichte deine Gegenwart jetzt nicht mehr regiert.

Je öfter du diesen bewussten Akt vollziehst, desto mehr Macht gewinnst du. Du wirst feststellen, dass die Besucher zwar immer noch kommen, aber immer seltener ein Buch aus dem Regal ziehen können, das dich aus der Bahn wirft. Denn der Bibliothekar hat die Kontrolle.

Share This Article

Next Article

January 21, 2026 • 6:54AM

Neuste Blogeinträge